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Abendmahl mit Kindern


Nach einer sehr intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema, ob Kinder und Jugendliche in unserer Gemeinde zum Abendmahl zugelassen werden sollen, hat sich der Kirchenvorstand in der Juni-Sitzung einstimmig dafür ausgesprochen.
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In unserem Kindergarten, bei den Konfirmanden – und Konfirmandeneltern, im Kirchenboten und wo es sich sonst noch anbietet, wird zudem ebenso intensiv über das Abendmahl mit Kindern gesprochen werden, bis wir es dann in einem Gottesdienst einführen werden.

Vorab einige Informationen, die vielleicht auch Sie, genau wie uns, dazu bringen, einem Abendmahl mit Kindern positiv gegenüber zu stehen:

Jesus selbst hat immer wieder betont, dass Kinder oft viel mehr verstehen als Erwachsene: „Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen“ (Mk. 10, 15). Kinder nehmen vor allem das Geschenk der Gnade und Zuwendung Gottes meist sehr viel offener an als Erwachsene.Als Jesus das Abendmahl am Vorabend vor seinem Tod einsetzte, betonte er die gemeinschaftsstiftende Funktion dieses Mahles. Wenn man betrachtet, wie er gelebt hat, nämlich so, dass er stets versuchte, alle in die Gottesgemeinschaft hereinzuholen, war und ist es nur logisch, dass auch das Abendmahl nichts Ausgrenzendes haben sollte. Die Liebe Gottes ist kein exklusives, sondern ein für alle Menschen geltendes Angebot. Als Einladender beim Abendmahl gilt übrigens natürlich nicht die Gemeinde oder der/die PfarrerIn, sondern der auferstandene Christus selbst, weswegen kein Mensch prinzipiell das Recht hat, für diese Einladung Auflagen oder Einschränkungen zu machen.

In unserer Kirche und auch in unserer Gemeinde ist es üblich, kleine Kinder zu taufen. Mit der Taufe werden sie mit allen Rechten und Pflichten in die Kirche aufgenommen, sprich, sie haben ab der Taufe auch die Zulassung zum Abendmahl.
Die Konfirmation hat an sich nichts mit Abendmahl zu tun, sondern ist die Bestätigung der inzwischen herangewachsenen Täuflinge zu ihrer Taufe! Konfirmandenunterricht ist nachgeholter Taufunterricht. Traditionell gehen die KonfirmandInnen dabei das erstemal zum Abendmahl. Theologisch begründbar ist das aber nicht. Eine Konfirmation kann ohne Abendmahl stattfinden, aber nicht ohne vorangegangene Taufe der KonfirmandInnen!
Wenn wir Kinder taufen und damit in unsere Gemeinde aufnehmen, gehört auch der zweite Schritt dazu, nämlich ihnen das zweite Sakrament, das Abendmahl, nicht zu verwehren.

Es gibt immer wieder Vorbehalte der Art, dass man hört, Kinder würden sich „unwürdig“ verhalten, wenn sie mit zum Abendmahl dürfen. Ich selber habe noch nie erlebt, dass ein Kind sich daneben benommen hat: Vielmehr hat es mich oft sehr berührt, wie freudig und auch feierlich Kinder mit in der Abendmahlsrunde stehen. Schon 1977 erschien von der VELKD (Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland) die Empfehlung, Kinder zum Abendmahl zuzulassen! Seit 1979 greifen Gemeinden diese Empfehlung auf. In sehr vielen Gemeinden ist es seither selbstverständlich, dass Kinder das Abendmahl mitfeiern.Keinesfalls wollen wir das Abendmahl abwerten. Es wird auch weiterhin nach der gewohnten Form gefeiert werden. Und auch im Konfirmationsgottesdienst wird es seinen zentralen Platz behalten. Zudem wird natürlich niemand gezwungen, seine Kinder zum Abendmahl mitzunehmen. Das bleibt selbstverständlich im Ermessen der Eltern.
Das in aller Kürze. Natürlich gibt es dazu noch viel mehr zu sagen. Im Kirchenvorstand haben wir uns ein ganzes Jahr immer wieder damit beschäftigt.
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Ihre Pfarrerin B. Weber und der Kirchenvorstand

(aus dem Kirchenboten Oktober/November 2010)

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